Cathy Lee Crane

Theater Fabrik,
großer Saal
Fr, 20:00 Uhr
white city
Not for Nothin'
Sketches after Halle

Theater Fabrik,
großer Saal
Sa, 18:00 Uhr
Queer Innovators

Theater Fabrik,
kleiner Saal
So, 16:00 Uhr
The Girl From Marseilles
Ich dachte Gefangene zu sehen

Cathy Lee Crane wurde am 12. November 1962 in Phoenix, Arizona geboren. Sie zog 1980 nach New York City wo sie die folgenden zehn Jahre als Produzentin am Off Theater, Managerin für KünstlerInnen und MusikerInnen arbeitete und einen Magister Abschluss in Freier Kunst am Sarah Lawrence College machte. Dort war es auch, wo sie das erste Mal Film studierte unter der Anleitung der (mittlerweile verstorbenen) Marjorie Keller. Cathy zog Mitte der 90er nach San Francicso um ihren Abschluss in Kunst, Spezialgebiet Kino, an der San Francisco State Universität zu machen. In dieser Zeit wurde Cathy für ihre Kurzfilme und ihre Regiearbeiten für zahlreiche Preise vorgeschlagen, von denen sie auch einige erhielt. So erhielt sie unter anderem 1997 das angesehene Eastman Kodak Stipendium als »eins der vielversprechendsten Talente der zukünftigen Generation von FilmemacherInnen in den USA«.

(...) Cathy hat Lesungen über die Verbindungen zwischen Queer und Experimental Kino/Filmen am San Francisco Arts Institute uns am SF Museum of Modern Art gehalten. Sie hat zahlreiche Filmprogramme zusammengestellt, darunter die gefeierte 6-teilige Queer Innovators Serie für das SF International Lesbian & Gay Festival 1998 und das DV8 Film Festival in Wien.

Als Kamerafrau hat sie an über einem Dutzend Kurzfilmen sowie an langen Dokumentarfilmprojekten von Lynn Hershman und Harun Farocki gearbeitet. Im Augenblick bereitet sie in Paris zwei Filmproduktionen vor.

»Ich bin mit Musicals aufgewachsen. Meine Eltern erzählen immer noch, dass ihre Liebesbeziehung begann als sie bei ihrer ersten gemeinsamen Verabredung South Pacific sahen und das Lied 'Some Enchanted Evening' [Ein bezaubernder Abend] ihr Schicksal bestimmte. Jedoch kam zu den Musicals schon bald katholische Liturgie, und nicht viel später war ich rebellisch und etwas skeptisch geworden. Dennoch, als im Film Oliver der Waisenjunge 'Where is Love' [Wo ist Liebe?] aus dem Keller eines Bestattungsinstitutes singt, oder als in The Sound of Music die Schwester Oberin darauf besteht dass Maria jeden Berg erklimme ('Climb Every Mountain'), entdeckte ich von neuem das Bedürfnis, mich nach Liebe zu sehnen, sie zu suchen und zu finden. Aus diesem vergleichsweise ruhigen Tal in Arizona zog ich 1980 nach New York City und fand etwas, dass ich nicht erwartet hatte: Liebe würde nicht einfach sein. Umgeben von Freunden die unter den heftigen Auswirkungen der AIDS Krise litten, lernte ich (durch ACT-UP) eine Wut auszudrücken, die als Reaktion auf Ungerechtigkeit und Feigheit entstand. Die Tatsache, dass Menschen die ich liebte so jung starben sollte mich für mein Leben zeichnen.«
»Als ich in den späten 80er Jahren mit Film Produktionen began, war es mit den Vorstellungen einer Philosophin; jemand die hauptsächlich mit den metaphysischen Fragen über die Natur des Seins beschäftigt war. Von dieser verkopften Position ausgehend, traf ich zunächst auf die Filme von Maya Deren. Und die eröffneten mir ein komplett neues Verständnis von Kino, eines das nicht nur aus einer Geschichte besteht, die am Ende einen schönen [inhaltlichen] Bogen schlägt. Ich lernte, dass experimentelles Kino mit der Frage anfängt: "wie ist das was du siehst?" Ich entschied mich ein anderes Mantra zu erforschen: "wie ist das was du sehen könntest?". Also nahm ich meine Bolex Kamera in die Hand, band sie an ein Seil und warf sie, an einem Flaschenzug hängend, aus dem Fenster meines New Yorker Appartements im fünften Stock. Dieses Bild aus white city (1994) ist der Anfang der Geschichte zu der alle meine Filme gehören; die Geschichte meiner Reise weg von und zurück nach Hause.«
»Meine Filme greifen die formalen Innovationen des poetischen Kinos wieder auf und erfinden sie gleichzeitig neu. Sie basieren auf einem System von Bedeutungen, das das Unaussprechliche mit in Betracht zieht, tatsächlich sogar auf das angewiesen ist, was weder zu sehen ist noch geschrieben werden kann; ein System in dem scheinbar gegensätzliche Sichtweisen nebeneinander existieren können, in dem Widersprüche nicht aufgelöst werden. Es ist eine unmögliche Reise, die auf einer Nostalgie und einer Sehnsucht nach einer Welt beruht, die erst noch entstehen muss, in der Gedanken sich frei bewegen, verbinden und in Stille wieder verschwinden können. Die Grundlage meiner cineastischen Experimente besteht aus einer Erzählstruktur, die den Bruch und das Fliessen verbindet. Entworfen wie ein Netz oder Wurzelsystem, ermöglicht sie eine verbindende Denkweise, eine Art sich eine Zukunft vorzustellen, die nicht auf den feindselig getrennten Kategorien 'wir' und 'die anderen' aufbaut. Um Geschichte zu schreiben, die nicht unweigerlich in Richtung Gewalt und Entfremdung führt, enthüllen meine Geschichten die Logik einer narrativen Entwicklung, die auf Auseinandersetzung beruht. Meine Filme feiern die Geburt des Mitgefühls in der Hoffnung, dass aus der Asche der Gewalt noch zu meiner Lebenszeit eine Welt entsteht, in der wir alle in friedlichen Umgang und Kooperation zusammenleben. Es ist unmöglich für mich zu glauben, dass so etwas nicht möglich ist.«

Cathy Lee Crane
Paris, Frankreich
13. März 2001