Fabrik, großer Saal

Sa, 28.04.01
16:00 Uhr

Frankreich 1998
92 min, 35 mm, OmU
Regie/Buch: Jacques Doillon
Kamera: Manuel Teran
Musik: Oxmo Puccino
Schnitt: Camille Cotte
DarstellerInnen: Stéphane Touly, Iliés Sefraoui, Mustapha Goumane, Nassim Izem, Rachid Mansouri
Verleih: peripher
Medienbüro präsentiert:

Petits Frères

Talia ist knapp 14 Jahre alt; sie wohnt mit Mutter und Schwester in einem Pariser Vorort, der wie zum Hohn "Belleville" getauft wurde. Als nach Jahren der Abwesenheit der von ihr verachtete Stiefvater in den gemeinsamen Haushalt zurückkehrt, sucht das Mädchen das Weite; mit seiner Pitbull-Hündin Kim sucht es Unterkunft in einem anderen Distrikt der Banlieu: in einem Stadtteil, der noch verwahrloster erscheint als Belleville. Hier leben ausschließlich Araber und Schwarze, hier weiß Talia einen entfernten Bekannten. Tatsächlich findet sie Unterkunft. Sie trifft vier Jungs in ihrem Alter, die sie zu mögen scheinen, aber allerdings sofort planen, ihre Hündin zu stehlen. Sie wollen sie verkaufen oder bei Hundekämpfen mit ihr Geld machen. Schon in der ersten Nacht machen sie ihr Vorhaben wahr. Talia ist verzweifelt und sucht die Hündin die ganze Nacht. Die vier Jungs behaupten die "Großen" hätten ihn geklaut. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Hund.

»Lässiger HipHop, strenge Rituale Sprachcodes, markige Klamotten und Knarren gehören zum Alltag von Doillons neuen Helden. Doch in "Petits Frères" sind sie gerade nicht Genre-Merkmale eines "Kids in the Ghetto"-Films. Schon das helle, warme Licht entfernt sie vom verbrauchten Popularmythos, gibt dem Film eher den Anschein einer Sommererzählung aus den Vorstädten.« (taz, 9. März 2000)

»Doillon entwirft diesen ernüchternden Kosmos ohne jeden Anflug von Sozialromantik. Die körperlich fast spürbare Authentizität seines Films erklärt sich dabei nicht schlicht aus dem Einsatz von Handkameras oder aus dem Verzicht auf Kunstlicht. Wichtiger als diese formalen Parameter sind sein unverstellter Blick und die Zärtlichkeit, die er seinen Figuren entgegenbringt. Wenn er sie zuletzt mit einer unterschwellig-utopischen Vision entlässt, spricht dies von seinem Vertrauen in das Medium. Und genau deshalb funktioniert dieses Ende auch. Talia begibt sich als 14-jähriges Mädchen mitten hinein in eine streng patriarchalisch organisierte Subkultur. Ihre Unerschrockenheit steht für die Jacques Doillons. Kino als Wagnis anzunehmen stellt schon seit Jean Vigo eine Grundtugend des französischen Films dar.« (film-dienst)